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News

02.11.2016

Verena Bentele: „Eine Schule für alle“

Schulleiter Thomas Bohnert, Geschäftsführer Dr. Tobias Böcker, Verena Bentele, Bundesbeauftragte für die Belange behinderter Menschen, MdB Lars Castellucci, Heike Trabold, Gesamtleiterin Sozialpädagogik, und die Schüler Abdulah und Jonas (von links nach rechts)

Diskussion mit der Beauftragten für die Belange behinderter Menschen

Gymnasiastin Laura erzählt von Inklusionsprojekten an Regelschulen, „in denen es den Kindern mit Handicap nicht gut geht“. Abgesehen davon, dass der Fahrstuhl nicht funktioniere oder fehle, werde von den Mitschülern - vermutlich gedankenlos - gemobbt. Carolin, ebenfalls in Klasse 12 des sozialwissenschaftlichen Gymnasiums der SRH Stephen-Hawking-Schule, ergänzt, dass sie „nicht die Grundschule an ihrem Wohnort besuchen konnte, weil diese nicht barrierefrei war“. Nach mehreren Schulwechseln sei sie zur Stephen-Hawking-Schule gekommen, wo sie „die Vielfalt der schulischen und außerschulischen Angebote sehr schätzt“.

Auch Thomas Bohnert, Schulleiter der inklusiven Stephen-Hawking-Schule, kennt die Vorbehalte von Eltern, die glauben, dass Menschen mit Behinderungen den Erfolg ihrer nichtbehinderten Kinder einschränken. „Diese Vorbehalte können jedoch schnell durch Aufklärung an Elternabenden ausgeräumt werden“, sagt er.

Dr. Tobias Böcker, Geschäftsführer der SRH Schulen, betont: „Bereits seit 1995 fördern wir hier die Inklusion durch die Öffnung der Schule für Kinder ohne Behinderung, seit dem Jahr 2000 engagiert sich die Stephen-Hawking-Schule in der gesamten Region für das gemeinsame Lernen von Schülern mit und ohne Handicap.“ Mittlerweile werden in 23 Außenklassen der Stephen-Hawking-Schule an Regelgrundschulen, in sogenannten kooperativen Organisationsformen, Kinder mit Handicap zusammen mit den Regelgrundschülern wohnortnah unterrichtet. Sie bleiben dabei Sonderschüler der Stephen-Hawking-Schule und haben somit dieselben Raum-, Förder- und Therapie-Angebote wie die Schüler in Neckargemünd.

Dieses Modell werde immer mehr nachgefragt, erläutert Bohnert, jedoch müssten die Eltern für ihre Kinder die Sonderschule wählen. Die Grundschule selbst sei keine Inklusionsschule, sondern werde von der SRH Schule durch zusätzliche Lehrkräfte und Therapeuten sowie ein differenziertes Lernangebot unterstützt.
Verena Bentele, durch eine genetische Ursache erblindet, erinnert sich: „Ich wäre gerne zu Hause zur Schule gegangen und hätte mit meiner Familie gelebt.“ Ihr Ziel ist „eine Schule für alle“. Es sei wichtig, „Kompetenz, Wissen und gute Förderung der Sonderschulen in die allgemeinen Schulen zu bringen“.

Sie fordert zudem, dass der Übergang von der Schule in Ausbildung oder Studium erleichtert wird. Dr. Tobias Böcker: „Durch unsere zehn Bildungsgänge an der Stephen-Hawking-Schule sind wir sehr breit aufgestellt, um die Schülerinnen und Schüler bis zu ihrem für sie bestmöglichem Bildungsabschluss zu begleiten.“
Um den Weg in Studium, Berufsausbildung oder gleich in eine Arbeit ohne Ausbildung zu ebnen, bietet die SRH Stephen-Hawking-Schule vielfältige Möglichkeiten zur Berufsorientierung durch diverse Praktika, Informationstage mit ehemaligen Schülern, Bewerbungstraining und die Erarbeitung praktischer Berufsfelder direkt in der Schule, etwa durch eine Juniorfirma oder ein Café.

Die größte Schwierigkeit sei es, die Schüler mit Handicap auf dem regulären Arbeitsmarkt unterzubringen. Von der Werkrealschule und den Sonderberufsfachschulen der Stephen-Hawking-Schule werden deshalb aufgeschlossene Betriebe, die Menschen mit Körperbehinderungen etwas zutrauen, deren Kraft aber auch nicht überschätzen, dringend gesucht.

Verena Bentele zieht das Fazit, dass inklusive Bildung ein sehr komplexes und schwieriges Thema sei: „Zur Inklusion gibt es nicht nur einen Weg, schon gar nicht den einzig richtigen, auf keinen Fall einen leichten.“ Sie sei beeindruckt von der Arbeit an der Stephen-Hawking-Schule und nehme, auch vor dem Hintergrund des Bundesteilhabegesetzes, „viel zum Nachdenken mit nach Hause“. Auch Lars Castellucci sieht die Politik „auf dem Weg“ zu einer inklusiven Gesellschaft. „Berlin ist weit weg von hier, aber wir als Vertreter der Region gucken genau hin und nehmen es mit ins Parlament.“


Kontakt Presse

Carmen Oesterreich
Tel: 06223 - 81 3014
E-Mail:            carmen.oesterreich@srh.de